DJI legt nach: Mit dem Inspire 1 bringt DJI nach der Phantom 2 den nächsten RTF-Copter (Ready to Fly) auf den Markt. Hatte der Phantom noch die Hobbypiloten als Zielgruppe, richtet sich der Inspire 1 sowohl an die ambitionierten Hobby-Piloten als auch Semi-Profis.

Die Ausstattung

Der Inspire ist ein Quadrocopter – für die, die neu im Bereich Copter sind: Quadro bedeutet vier Motoren. Zum einen ist er dadurch relativ leicht: Der Inspire 1 (I1) bringt gerade mal knapp drei Kilogramm auf die Waage inkusive Akku. Allerdings hat ein Quadro auch einen entscheidenden Nachtil: Fällt einer der Motoren wegen eines technischen Defektes aus, lässt sich der Copter nicht mehr fliegen und er stürzt unweigerlich ab. Fliegt man mit einem Hexa-Copter (sechs Motoren) oder gar Octo-Copter (acht Motoren) lässt sich der Copter auch nach dem Ausfall eines Motors zumindest noch so weit steuern, dass er nicht sofort abstürzt. Hier muss man also klar abwägen Gewicht gegen Sicherheit.

Die vier Motoren sind auf einem speziellen Landegestell montiert, das nach dem Start nach oben fährt. Der Vorteil: Die Kamera hängt unter dem Copter und hat komplette freie Sicht um 360 Grad. Während das Gestell hochfährt wackelt der Copter etwas, was man zwar sieht, sich aber im Bild der Kamera nicht bemerkbar macht. Sobald das Landegestell seine Endposition erreicht hat, ist das Zittern sofort weg. Zum Einsatz kommen 13 Zoll-Kunststoff-Propeller. Diese sind wie bei der Phantom 2 selbstsichernd. 

WICHTIG: Die Propeller sind zwar selbstsichernd, müssen aber zum Schluss noch mal etwas festgezogen werden. Dazu wird der Motor festgehalten und der Propeller "handwarm" angezogen. Da es wohl einige Piloten gab, die die Props nur locker draufgeschraubt haben und sich diese dann während des Fluges gelöst haben, hat DJI inzwischen sogenannte Propeller-Locks (Schlösser) nachgeliefert. Die müssen auf den montierten Propeller gesteckt werden, so dass dieser sich nicht mehr lösen kann.

Die I1 ist mit einem neuen Flug-Kontrollsystem ausgestattet. Sprich es kommt nicht die Naza, die Wookong oder A2 zum Einsatz, sondern ein neu konstruierter Flight-Controller. Hinsichtlich der Möglichkeiten bietet er ebenfalls alle wichtigen Funktionen, die bereits die bekannten Modelle von DJI bieten. Eine Neuerung: Die I1 ist mit zwei zusätzlichen Kameras ausgestattet, die nach unten zeigen. Sie sollen das Indoor-Fliegen erleichtern, da sie das Bild aufnehmen und die Elektronik dann den Copter stabilisieren soll. Zusätzlich ist ein Ultraschall-Sensor eingebaut, der die Flughöhe präzise ermitteln kann, so dass auch ohne GPS-Empfang die Position gut gehalten werden kann. Das System funktioniert bis zu einer Flughöhe von gut zwei Metern.

Die Kamera

Unter der I1 hängt eine 12 Megapixel-Kamera. Der Sensor hat eine Größe von 1/2.3 Zoll stammt von Sony und sorgt für gute Bildqualität. Als Brennweite gibt DJI 20 Millimeter an – bezogen auf das Kleinbildformat. Der Blickwinkel beträgt rund 94 Grad. Ein großer Vorteil gegenüber der Kamera der Phantom 2 Vision/Vision + und der GoPro 3/4: Die Kamera nimmt Videos und Fotos ohne Verzerrung auf. Sprich eine nachträgliche Entzerrung ist nicht erforderlich, was einen deutlichen Qualitätsgewinn verspricht.

Selbstverstädlich nimmt die Kamera Fotos wieder in JPEG und RAW oder gleichzeitig JPEG und RAW auf. So hat man gute Möglichkeiten die Aufnahmen nachträglich mit Programmen wie Lightroom oder Adobe Photoshop zu bearbeiten.

Neben der Foto-Qualität ist natürlich die Videoqualität wichtig. Und hier trumpt die I1-Kamera mächtig auf. Neben der Full-HD-Aufnahme mit 1920 x 1080 Bildpunkten nimmt die Kamera Videos auch in 4k auf. Dabei stehen zwei Auflösungen zur Wahl: 4096 x 2160 Bildpunkte mit den Bildwiederholraten 25p und 24p und 3840 x 2160 Bildpunkte mit Bildwiederholraten von 30p, 25p und 24p. Bei den Full-HD-Auflösungen gibt es die Bildwiederholraten 60p, 50p, 48p, 30p, 25p und 24p. Dabei schafft die Kamera eine Datenrate von bis zu 60 Megabit pro Sekunde. Als Speichermedium werden Micro-SD-Karten genutzt.

HINWEIS: Um die Bildwiederholraten 50 und 60, beziehungsweise 25 und 30 zu bekommen, muss im Einstellmenü von PAL auf NTSC oder umgekehrt umgestellt werden. Bei PAL stehen dann 50/25 und bei NTSC 60/30 Bilder pro Sekunde zur Wahl.

Ein wichtiger Punkt der Kamera: Die Aufnahmeparameter können manuell eingestellt werden. Während die Blende mit f2.8 fix ist, können Belichtungszeit und ISO-Empfindlichkeit individuell angepasst werden. Zusätzlich können der Weißabgleich sowie die Farbeinstellungen individuell angepasst werden. Ein großer Vorteil der manuellen EInstellung: Bei der Videoaufnahme gibt es keine Helligkeitssprünge, wie bei der Phanttom 2 Vision/Vision +. Ändert sich die Helligkeit während der Aufnahme – beispielsweise bei einem Schwenk ins Gegenlicht – ist bei diesen Kameras ein sichtbarer Helligkeitssprung in der Aufnahme. Damit man mit er I1 auch bei hellem Umgebungslicht mit entsprechend langen Belichtungszeiten filmen kann, lässt sich ein Graufilter vor die Kamera setzen, der mitgeliefert wird.

Stellt sich nun die Frage, warum die Kamera "nur" 12 Megapixel hat. Der Hauptgrund: 4k-Video. 4k hat eine Auflösung von rund acht Megapixeln. Wie bereits erwähnt, beträgt die Auflösung in der Breite rund 4000 Bildpunkte. Da Videos in 16:9 aufgenommen werden, beträgt die Höhe dann 2160 Bildpunkte. Fotos werden im Format 4:3 aufgenommen, so dass sich eine Fläche von 4000 x 3000 Bildpunkte ergibt, also 12 Megapixel. Würde man einen Sensor mit höherer Auflösung nehmen, müsste man für 4k-Aufnahmen entweder nur einen Ausschnitt des Sensors für die Aufnahme nutzen oder interpolieren, was meist mit erheblichen Qualitätsverlusten verbunden ist – genau die sind bei 4k unerwünscht ist. Also verwendet man in dieser Kameraklasse für 4k-Videoaufnahmen Sensoren mit rund 12 Megapixeln. Selbst die Sony Alpha 7S hat "nur" einen 12-Megapixel-Sensor – allerdings im Vollformat 35 x 24 Millimeter. 

Die Kamera ist an einem 3-Achs-Gimbal befestigt. Kamera samt Gimbal können mit einem Klick vom Copter abgebaut werden. So kann die Kamera während des Transports abgebaut werden und es können zukünftig neue Kameras angebaut werden. So ist es beispielsweise denkbar eine Infrarotkamera anzubauen oder ein Modell mit 24 Megapixeln, spiezialisiert für Fotoaufnahmen. Der Gimbal lässt sich aus der Grundposition um 330 Grad nach links und rechts drehen. Eine vollständige 360-Grad-Drehung aus der Grundposition ist nicht möglich, ebensowenig ein endloses Drehen. Der Gesamtdrehwinkel beträgt 660 Grad. 

Die Fernsteuerung

In die Fernsteuerung der I1 ist neben dem normalen Sender für die Steuerung des Copters ein Empfänger für das FPV-Bild eingebaut. FPV steht für First Person View und bedeutet, dass das Bild der Kamera in Echtzeit an die Bodenstation – den Empfänger – übertragen wird. Die Fernsteuerung des I1 ist mit einem digitalen Empfänger ausgestattet und entspricht der Technik der Lightbridge. Das FPV Bild lässt sich auf einem Smartphone oder Tablet-PC (iOS und Android) anzeigen. Diese Geräte werden per USB-Kabel mit der Fernsteuerung verbunden. Neben dem FPV-Bild können über die App auf dem Smart-Device zahlreiche Kameraeinstellungen vorgenommen werden. Außerdem werden alle wichtigen Telemetriedaten (Flughöhe, -entfernung, -geschwindigkeit, Ausrichtung des Copter, Batteriezustand) angezeigt. Die Ansicht kann zwischen Karte und FPV-Bild per Fingerzeig gewechselt werden.

Neben dem USB-Anschluss gibt es noch einen HDMI-Anschluss. Daran kann ein externer Monitor oder eine FPV-Brille angeschlossen werden, wie beispielsweise die Zeiss Cinemizer. Anders als bei der Lightbridge können beide Anschlüsse gleichzeitig genutzt werden. Sprich, auch wenn ein Smart-Device über USB angeschlossen ist, gibt es auch noch ein Bild über HDMI. Beim HDMI-Bild können die Telemetriedaten ausgeblendet werden, so dass das reine Kamerabild zur Verfügung steht. Das kann beispielsweise auf Fernseher oder bei Veranstaltungen auf eine Großbild-Leinwand übertragen werden. Die Reichweite der Fernsteuerung dürfte nach den Erfahrungen mit der Lightbridge mehr als einen Kilometer betragen.

An dem I1 können zwei Fernsteuerung genutzt werden. So kann eine für die Flugmanöver und die zweite für die Steuerung der Kamera genutzt werden. Setzt man nur eine Fernsteuerung ein, so kann mit dem Drehrad an der linken Rückseite der Steuerung entweder die Kamera nach unten und oben geschwenkt werden (Tilt) oder um die Hochachse (Yaw) gedreht werden. Das Umschalten geht per kleinem Taster auf der Unterseite der Fernsteuerung. Tilt und Yaw können mit einer Fernsteuerung nicht gleichzeitig verstellt werden, das geht nur mit einer zweiten Fernsteuerung. Die Fernsteuerung ist übrigens mit einem 2S-LiPo mit 6000 mAh ausgestattet.

In die Fernsteuerung eingebaut ist ein GPS-Empfänger, so dass der Home-Point sowohl an die Stelle gesetzt werden kann an der sich der Copter befindet, als auch dort, wo die Fernsteuerung ist. 

Neben dem HDMI- und USB-Anschluss gibt es noch einen BUS-Anschluss, an den sich Zusatzgeräte anschließen lassen. Was DJI hier anbieten wird, werden wir in den nächsten Monaten sehen.

Der Akku

Wie schon beim Phantom 2 setzt DJI auch beim I1 auf ein eigenes Akkuformat. Es können nur die DJI-Akkus verwendet werden, die perfekt ins Gehäuse des Kopters passen. Dieser Umstand führt wie zu erwarten, zu kontroversen Diskussionen. Denn zum einen ist es natürlich praktisch, sich um nichts kümmern zu müssen – Akku rein, fertig. Zum anderen heißt das natürlich auch, dass man auf die Akkus von DJI angewiesen ist und keine preisgünstigen Massenprodukte nutzen kann. Zur Wahl stehen zwei Akku-Varianten: 

– 6S LiPo-Akku mit 4500 mAh, 22,2 Volt (199 Euro)
– 6S LiPo-Akku mit 5700 mAh, 22,2 Volt (229 Euro)

Die 4500 mAh-Variante wird im Standard mit ausgeliefert. Ebenso wie ein Ladegerät, das dem Set beiliegt. Wer mehrere Akkus gleichzeitig laden möchte, benötigt ein weiteres Ladegerät, dass mit 52 Euro zu Buche schlägt. Die Flugzeit liegt zwischen 18 und 22 Minuten.

WICHTIG: Die 5700 mAh-Akkus dürfen nicht im Flugzeug transportiert werden, da sie mit 129,96 Wh über der Grenze von 99,9 Wh liegen. Diesen Wert haben die "kleinen" Akkus und dürfen daher im Flugzeug mitgenommen werden. 

 

#01 Unboxing

 

#02 Zusammenbau

 

#03 Fernsteuerung

 

#04 DJI Pilot App Teil 1

 

#05 DJI Pilot App Teil 2

 

#06 Althec-Sendepult

 

 

 

Fragen rund um den Inspire 1

– Gibt es eine Waypoint-Steuerung? Nein, zur Zeit nicht. In späteren Firmware-Versionen soll es di aber geben.

– Gibt es eine Follow-Me-Funktion? Nein, auch die gibt es zur Zeit nicht, eventuell aber in späteren Firmware-Versionen.

– Hat der Inspire 1 ein IOC (Intelligent Orientation Control)? Ja, zur zeit gibt es allerdings nur die Funktion "Orientation Lock". Die vom Phantom und den anderen DJI-Flug-Controlern Wokong und A2 bekannten Funktionen "Home-Lock" und "POI" (Point of Interest) gibt es noch nicht, werden aber noch kommen. Im Handbuch sind sie bereit erwähnt.

– Gibt es die Flugmodi Atti und Manuel? Atti gibt es, Manuel nicht. 

– Gibt es Reichweitenbeschränkungen? Nein, aber eine Höhenbeschränkung. Diese liegt bei 500 Metern liegt. Auch im Atti-Modus kann die nicht umgangen werden.

Für wen ist der Inspire 1

Der Inspire 1 liegt zwischen der Phantom 2 Vision/Vision + (plus) und den großen Hexa-Coptern S900/S1000. Hinsichtlich des Flugverhaltens – Steuerung, Flugruhe, Stabilität in der Luft, Genauigkeit der Steuerung – ist der I1 mit den großen Coptern auf einem ähnlich hohen Niveau.

Ich halte den Inspire 1 für Einsteiger nur bedingt geeignet. Alleine die App bietet zahlreiche Einstellmöglichkeiten, die das Flugverhalten erheblich beeinflussen können. Wer bisher noch keinen Copter geflogen hat, sollte mit einem kleineren Modell wie dem Phantom 2 Vision/Vision + beginnen und dann – nachdem er Flugerfahrung gesammelt hat – auf einen Inspire 1 aufsteigen. Wer dennoch mit einem Inspire 1 beginnen möchte, sollte an einer qualifizierten Schulung teilnehmen. 

Was die Bildqualität anbelangt, liegt der Neue auf jeden Fall über der Qualität einer Vision/Vision +, schon allein wegen der unverzerrten Aufnahme und der 4k-Video-Aufnahme. Dazu kommen die manuellen Einstellmöglichkeiten. Vergleicht man den I1 mit Aufnahmen aus der GoPro 4 Black, liegt die Qualität der Videoaufnahmen auf einem ähnlichen Niveau. Aber auch hier spielt der Inspire 1 seinen Vorteil der unverzerrten Aufnahme aus.

Geht man einen Schritt weiter in Richtung S900/S1000 hängt es natürlich stark davon ab, welche Kamera unter den großen Coptern hängt. Gegen die häufig genutzte GH4 kommt die Kamera der Inspire 1 natürlich nicht an. Allerdings ist dieser Vergleich auch nicht wirklich fair, denn allein der Gimbal Zenmuse H4-3D und die GH4 kosten zusammen genausoviel, wie der Inspire 1 komplett.

Für eine aufwendige Fernseh- oder Werbeproduktion wird der I1 also auf keinen Fall ausreichen. Für Imagefilme von kleineren Unternehmen oder Immobilienfilmen geht die Qualität jedoch völlig in Ordnung. Außerdem sollte man einen wichtiten Punkte dabei berücksichtigen: Nicht allein die Technik entscheidet über die Qualität der Aufnahmen, sondern ganz besonders der, der die Fernsteuerung in der Hand hat. Und natürlich auch die Postproduktion – Schnitt, Musik, Color-Grading und Idee.

 

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