Pünktlich zur Black-Friday-Woche bringt Amazon mal wieder das Thema Zustellung per Copter (Drohne) ins Gespräch.
 
Sowohl während des Copter-College, als auch per Mail, werde ich immer wieder gefragt, wie wahrscheinlich ein solches Szenario ist. Daher habe ich hier die wichtigsten Informationen zusammengestellt – gültig für die gesetzliche Situation in Deutschland.
 
Zur Zeit: Undenkbar. Es fehlt die gesetzliche Grundlage und die technische Grundlage, hier vor allem die Akkulaufzeit bei entsprechenden Lasten. Bei der gesetzlichen Grundlage ist der wichtigste Punkt, dass Copter nur in Sichtweite des Piloten geflogen werden dürfen. Dies dürfte bei einer Auslieferung kaum möglich sein. Weiter Punkte sind das Überfliegen von Bahnlinien, Autobahnen, Bundesstraßen und Personen, die zwingend erforderlich wären bein einer Auslieferung per Copter.
 
Werfen wir einen Blick in die Zukunft was alles passieren muss, damit eine solche Technik zum Einsatz kommt. Als erstes müssen die gesetzlichen Grundlagen dafür geschaffen werden. Hier dürften mehrere Jahre ins Land gehen, damit solche Szenarien gesetzlich möglich werden. Als zweites müssen die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Und hier ist ein ganzes Bündel an Verbesserungen erforderlich. Zunächst wäre da die Akkulaufzeit. Hier sind Laufzeiten von mindesten 30 Minuten erforderlich, bei einem Coptergewicht von etwa 10 Kilogramm – es sollen ja nicht nur SD-Speicherkarten geliefert werden. Die Akkutechnik macht zwar Fortschritte, aber von solchen Zeiten sind wir noch deutlich entfernt. Bleibt als nächste die Genauigkeit. Wo sollen die Copter landen? In Städten sind es meist winzige Terassen oder sogar nur Balkone, die in Frage kommen. Bis Copter so präzise fliegen, auch bei Wind, dass sie zentimetergenau landen, ist noch viel technische Innovation erforderlich. Allein übe GPS sind solche punktgenauen Landungen kaum möglich. Als nächstes Problem bleibt die Frage, wie die Copter am Himmel miteinander kommunizieren, damit Zusammenstöße ausgeschlossen sind. Dies ist nur mit entsprechenden Transpondern und einer dazugehörigen Flugüberwachung möglich. Bis eine solche Infrastruktur geschaffen ist, vergehen Jahre.
 
Selbst wenn all diese Punkte gelöst sind und die Technik zur Verfügung steht, bleibt ein Punkt, der sich nicht lösen lässt: Die Haftungsfrage. Wenn heute ein Paket zugestellt wird, sind wir es gewohnt, den Standort jederzeit kontrollieren zu können. Dies gibt uns eine gewisse Sicherheit, dass ein Paket nicht verschwindet. Wie bitte soll da bei Coptern gelöst werden? Es wird zum Volkssport, die Dinger vom Himmel zu holen. Zum einen ist damit die Ware "verschwunden", aber auch ein mehrere tausend Euro teurer Copter ist Schrott. Wer haftet in einem solchen Fall? Wie will Amazon sicher stellen, dass derjenige, für den das Paket bestimmt hat, es auch tatsächlich bekommt. So ein Copter ist so leicht, dass man ihn bequem komplett "mitnehmen" kann.
 
Bleibt für mich als Fazit: Selbst wenn die technischen und gesetzlichen Vorraussetzungen geschaffen werden, bleibt die Frage der Haftung und des Verlusts. Hier sehe ich kein brauchbares Modell, dass dieses Problem lösen könnte. Wenn es um die schnelle und individuelle Zustellung geht, sehe ich eher autonome Fahrzeuge mit Elektroantrieb als Zubringer. Hier ist ein Entwenden wesentlich schwieriger und die Zustellung kann problemlos per individuellem Code gelöst werden, ähnlich wie bei Paketstationen. So ein komplettes Auto kann man eben nicht mal schnell verschwinden lassen. Zudem können mehrere Empfänger nach und nach angesteuert werden.
 

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