Nachrichten für Luftfahrer (NFL) 1-437-15 gültig ab 1. Juni 2015

Bis zum 31. Mai 2015 sind Copter-Flüge im kontrollierten Luftraum CTR strikt verboten. Eine Ausnahme gibt es nur dann, wenn man eine individuelle Freigabe einholt und sich seinen Copter-Flug genehmigen lässt. Ab dem 1. Juni 2015 tritt gibt es eine Erleichterung für Copter-Piloten, die im CTR Flüge machen möchten. Geregelt wird dies durch die NFL Bekanntmachung 1-437-15 vom 22. April 2015. Es handelt sich dabei um die Bekanntmachung über die Erteilung von Flugverkehrskontrollfreigabe zur Durchführung von Flügen mit Flugmodellen und unbemannten Luftfahrtsystemen in Kontrollzonen von Flugplätzen nach §27d Abs. 1 LuftVG an den internationalen Verkehrsflughäfen mit DFS-Flugplatzkontrolle.

Hier die Bekanntmachung im Original: Bekanntmachung

 

Für welche Kontrollzonen gilt die neue Regelung?

Wichtigster Punkt: Diese Regelung betrifft NUR die Kontrollzonen der großen Verkehrsflughäfen, die von der Deutschen Flugsicherung DFS kontrolliert werden. Dies sind:

Berlin/Schönefeld, Berlin-Tegel, Bremen, Düsseldorf, Dresden, Erfurt, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln/Bonn, Leipzig/Halle, München, Münster/Osnarbrück, Nürnberg, Saarbrücken und Stuttgart. 

Alle anderen Kontrollzonen um die übrigen Flughäfen sind von der ab 1. Juni 2015 in Kraft tretenden Regelung NICHT betroffen. Hier gilt nach wie vor absolutes Flugverbot, das nur durch Einzelfreigaben aufgehoben werden kann.

 

Welche Erleichtungen gibt es für Copter-Piloten?

Zunächst gilt die Regelung nur für Flugmodelle bis zu einer Masse von fünf Kilogramm und unbemannten Luftfahrtsystemen bis 25 Kilogramm. Weiterhin ist ein Abstand von 1,5 Kilometern zur Begrenzung des Flugplatzes einzuhalten. Hier gilt ausdrücklich die Begrenzung des Flugplatzes, nicht der Mittelpunkt. Man sollte also ganz genau auf den entsprechenden Karten den Abstand kontrollieren.

Flugmodelle dürfen außerhalb der 1,5-Kilometer-Begrenzung in der Kontrollzone bis zu einer Höhe von 30 Meter über Grund, unbemannte Luftfahrtsysteme bis zu einer Höhe von 50 Meter über Grund geflogen werden. Der Unterschied: Flugmodelle sind Copter, die ausschließlich zum Zweck der Freizeitgestaltung und des Hobbys verwendet werden. Unbemannte Luftfahrtsysteme sind Copter, die gewerblich genutzt werden, mit denen also beispielsweise Luftaufnahmen gemacht werden. Zu beachten ist hier, dass für die gewerbliche Nutzung natürlich weiterhin eine allgemeine Aufstiegsgenehmigung für Copter bis fünf Kilogramm erforderlich ist, bei Coptern mit einem Gewicht über fünf Kilogramm eine Einzelaufstiegsgenemigung.

Um es etwas einfacher auszudrücken: In den oben genannten Flugkontrollzonen dürfen Hobby-Copter-Piloten bis 30 Meter über Grund aufsteigen, Berufs-Copter-Piloten bis 50 Meter. Bisher galt hier absolutes Flugverbot. Flüge waren dort nur mit einer Einzelgenehmigung möglich.

 

Welche Auflagen müssen erfüllt werden?

Flüge innerhalb der Kontrollzonen sind für Hobby- und Berufs-Copter-Piloten unter folgenden Auflagen gestattet:

Während des gesamten Fluges muss sich der Copter in Sichweite des Piloten befinden. Dabei dürfen keine zusätzlichen Hilfmittel oder technischen Geräte genutzt werden, wie Ferngläser oder FPV-Kameras. Der Luftraum ist permanent zu beobachten – insbesondere in Hinsicht andere Flugzeuge. Bemannten Flugobjekten muss ausgewichen werden, diese haben in jedem Fall Vorrang. Mein Tipp: Sofort die Höhe verringern, wenn sich Flugzeuge, Helikopter oder andere Flugobjekte nähern. Sollte der Copter während des Fluges außer Kontrolle geraten, ist sofort die zuständige Flugverkehrskontrollstelle darüber zu informieren. Man sollte sich also vor dem Flug zur Sicherheit die Telefonnummer des betreffenden Flughafens notieren.

Ebenfalls vorgeschrieben ist es, dass ausschließlich unter Sichtflugbedingungen geflogen werden darf. Ist man sich nicht sicher, ob Sichtflugbedingungen herrschen, sollte man die zuständige Flugverkehrskontrollstelle anrufen. 

Liegen innerhalb der betreffenden Kontrollzonen weitere Flugplätze, dies sind meist Hubschrauberlandeplätze, beispielsweise an Krankenhäusern, so gilt dort in einem Radius von 1,5 Kilometern Flugverbot – unabhängig von der neuen NFL-Regelung. Dies gilt gleichermaßen für Hobby- wie Berufs-Copter-Piloten.

Neben diesen speziellen Auflagen, gelten natürlich die üblichen Regelungen: Aufstiegsgenehmigung für Berufs-Copter-Piloten, Genehmigung des Grundstückseigentümers von dessen Grundstück gestartet wird, eine Modellflug-Haftpflichtversicherung sowie die Einhaltung des Medien- und Datenschutzrechtes.

 

Gibt es Einschränkungen, für die die neue Regelung nicht gilt?

Außer den bereits erwähnten, gibt es nach dem bisherigen Stand für Hamburg und Berlin weitere Einschränkungen, allerdings betreffen diese nur die Berufs-Copter-Piloten. Um zu verstehen, warum das so ist, muss man etwas weiter ausholen. Wie in jedem Bundesland müssen Copter-Piloten, die gewerblich fliegen, eine Aufstiegsgenehmigung besitzen. Normalerweise ist dies eine allgemeine Aufstiegsgenehmigung, die für ein oder zwei Jahre gültig ist. Die einzigen Ausnahmen sind Hamburg und Berlin, dort gibt es keine allgemeine Aufstiegsgenehmigung, sondern nur eine Einzel-Aufstiegsgenehmigung. Diese mussten die Berufs-Copter-Piloten für jeden einzelnen Flug beantragen.

Da Hamburg und Berlin nun nahezu vollständig in einer Flugkontrollzone liegt, mussten bislang auch Hobby-Copter-Piloten eine Aufstiegsgenehmigung beantragen, um in den beiden Städten fliegen zu dürfen. Dieser Antrag war bis vor dem 1. Juni 2015 ausschließlich auf Grund des Flugrechts und der Flugkontrollzone erforderlich, denn normalerweise benötigen Hobby-Copter-Piloten ja keine Aufstiegsgenehmigung. Dieser Punkt fällt nun durch die NFL Bekanntmachung 1-437-15 weg. Das hat zur Folge, dass Hobby-Copter-Piloten unter den vorgenannten Bedingungen bis zu einer Höhe von 30 Meter aufsteigen dürfen – ohne eine Einzel-Aufstiegsgenehmigung beantragen zu müssen. Berufs-Copter-Piloten müssen hingegen weiterhin eine Aufstiegsgenehmigung haben, in beiden Städten nach wie vor eine Einzelaufstiegsgenehmigung.

Ob Hamburg diese Gesetzeslücke schließt, steht zur Zeit noch nicht fest. Aber selbst wenn, wird es, so ein Behördensprecher, mindestens drei Monate dauern, bis diese in Kraft tritt. Bis dahin ist die Polizei angewiesen strenge Kontrollen zu machen und vor allem zu kontrollieren, ob vom Grundstückseigentümer des Startplatzes überhaupt eine Startgenehmigung vorliegt. Hier nocheinmal zur Erinnerung: Parks, Grünanlagen und öffentliche Plätze "gehören" der Stadt, was bedeutet, dass vom betreffenden Ordnungsamt eine Starterlaubnis einzuholen ist. Einfach ausgedrückt: Mal eben im Sommer im Stadtpark fliegen ist nicht möglich, da das Ordnungsamt hierfür sicher keine Startfreigabe erteilen wird. Es bleiben also vornehmlich Privatgrundstücke, von denen aus Starts möglich sind, wenn der Grundstückeigentümer dem zustimmt.

Polizei und Ordnungsämter sind für das Thema sensibilisiert und werden ab dem 1. Juni 2015 verstärkt Copter-Flüge kontrollieren. Dazu zählt auch, zu prüfen, ob die Flüge tatsächlich nur dem Hobby und der Freizeitgestaltung dienen. Hier sollte jeder genaustens darauf achten, dass Aufnahmen dieser Flüge nicht gewerblich genutzt werden oder Einnahmen über YouTube-Werbung oder andere Werbeformate erzielt werden. Der Pilot ist Urheber des Materials und damit auch für die Verwendung haftbar. 

Noch ein Hinweis zur Flugkontrollzone in Hamburg: Ein Teil der Zone liegt außerhalb der Landesgrenze von Hamburg im angrenzenden Schleswig-Holstein. In diesem Bereich darf entsprechend der vorgenannten Regelung bis zu einer Flughöhe von 30 beziehungsweise 50 Meter geflogen werden. 

Zusätzliche Einschränkung in Berlin

Eine weitere wichtige Einschränkung gibt es in Berlin: Dort ist der gesamte Innenstadtbereich rund um den Reichstag ein Flugbeschränkungsgebiet. Dieser auf der Karte zu erkennende kreisrunde Bereich mit der Markierung GND – 5000 MSL ist absolute Flugverbotszone. Das heißt in diesem Bereich darf ohne Genehmigung nicht geflogen werden. Diese Zone hat nichts mit den Flugkontrollzonen um die Flughäfen Berlin/Schönefeld und Berlin-Tegel zu tun, sondern ist eine eigene Zone. Daher hat die NFL Bekanntmachung 1-437-15 hier keine Auswirkungen. Flüge in diesem Bereich müssen in jedem Fall einzeln beantragt werden. Das gilt sowohl für Hobby-Copter-Piloten, als auch Berufs-Copter-Piloten. Wer dennoch in diesem Bereich startet, muss mit erheblich Geldstrafen rechnen, die mehrere tausend Euro betragen können.

 

Quelleangabe der Karten: openAIP map

 


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