DJI Inspire 2

Am 13. November 2014, präsentierte DJI den Inspire 1. Ziemlich genau zwei Jahre später – am 15. November 2016 – steigt der Nachfolger in die Lüfte auf. Der hat es in sich. DJI hat sich die Wünsche der Piloten genau angehört – vieles von dem ist in den Inspire 2 eingeflossen.

Der Copter

Beim Aussehen hat sich zwischen Inspire 1 und 2 nur wenig geändert. Es ist weiterhin ein Quadrocopter, die Größe ist praktisch identisch, das hoch- und runterfahrbare Landegestell ist geblieben, die windschnitte Form des Gehäuses – all das ist geblieben. Erst beim Blick auf die Details werden die Unterschiede deutlich. Erster Punkt ist das graue Gehäuse. Das besteht nicht mehr aus Kunststoff sondern einer Aluminium-Legierung. Das sieht nicht nur extrem hochwertig aus, sondern fühlt sich auch so an. Neben diesem offensichtlichen Unterschied sind es zahlreiche technische Änderungen.

Akkus

Beim Inspire 2 sorgen zwei Akkus für die Energieversorgung. Die werden von hinten in die Aufnahme geschoben. Jeder der beiden LiPo TB50 6S-Akkus hat 4280 mAh bei einer Basisspannung von 22,8 Volt. Die Flugzeit liegt laut DJI damit bei deutlich mehr als 20 Minuten beim Einsatz der X5S. Vergleichen mit der Inspire 1 und der X5R, die maximal 14 Minuten in der Luft blieb, ist das ein erheblicher Gewinn an Airtime. Wird der Inspire 2 mit der X4S geflogen, soll die Flugzeit rund 27 Minuten betragen. Die Akkus sind mit einer Heizung ausgestattet, so dass auch bei niedrigen Temperaturen ein sicher Flug gewährleistet ist.

Propeller und Antrieb

Die Propeller werden beim Inspire 2 mit einem ähnlichen Quick-Release-System installiert, wie beim Vorgängermodell. Es stehen zwei Propeller-Varianten zur Auswahl: Variante 1 (1550 T) mit einer maximalen Flughöhe von 2.500 Meter über Normal Null und Variante 2 für Flüge bis zu einer Höhe von 5.000 Meter über Normal Null. 

Ausgestattet ist der Inspire 2 mit neuen Motoren. Die liefern mehr Power und bringen eine Höchstgeschwindigkeit von über 100 km/h. Dadurch können mit dem Copter auch schnelle Verfolgungsflüge gemacht werden. Die maximale Steiggeschwindigkeit beträgt 5 m/s beziehungsweise 6 m/s im Sport-Modus. Abwärts geht's dann mit maximal 4 m/s.

Sensoren

Der Inspire 1 hatte lediglieh den Bodensensor, der bis zu einer Höhe von rund 2,50 Meter arbeitete und die Hähe per Ultraschall sehr genau ermittelt. Der Sensor hält den Copter außerdem auf Position, wenn kein GPS zu Verfügung steht. Dieser Sensor ist auch wieder beim Inspire 2 eingebaut, arbeitet aber nun bis 10 Meter. Zusätzlich gibt es einen weiteren Sensor, der den Bereich über dem Copter überwacht, bis zu einem Abstand von 5 Metern. Bei Indoorflügen ist so die Gefahr verringert, dass der Inspire gegen die Decke fliegt. 

Damit nicht genug: Ein nach vorne ausgerichteter Sensor, verhindert Kollisionen mit Hindernissen in Flugrichtung. Die Reichweite beträgt rund 30 Meter und arbeitet bis zu einer Geschwindigkeit von gut 50 km/h. Seitliche Sensoren, wie sie der DJI Phantom 4 Pro hat, fehlen beim Inspire 2.

Signalverarbeitung

Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Inspire 1 und dem Inspire 2 ist die Signalverarbeitung der Kameradaten. Bei den bisherigen Kameramodellen X3, Z3, X5 und X5R wurden sämtliche Daten direkt in der Kamera verarbeitet. Das heißt die Kameras arbeiteten autark und konnten daher auch auf dem Handgimbal OSMO genutzt werden. Beim Inspire 2 ist dies nun anders. Die komplette Signalverarbeitung der Bilddaten geschieht nicht mehr in der Kameraeinheit, sondern im Copter. Dafür verantwortlich ist der sogenannte CineCore 2.0. Dieser ist extrem leistungsfähig und bringt erhebliche Vorteile für die Weiterverarbeitung der aufgezeichneten Videodaten.

Die Kameras

Eine der größten Kritikpunkte beim Inspire 1 war die Kamera. Dabei ging es nicht um die Bildqualität der einzlenen Modelle, sondern vor allem um die geringen Datenraten bei Videoaufnahmen. Nur die X5R konnte im RAW-Format mit mehr als 60 Mbit/s aufnehmen. Allerdings ist die Weiterverarbeitung der Daten nicht gerade ein Vergnügen. Genau hier hat DJI beim Inspire 2 mit zwei neuen Kameras nachgelegt: der X5S und der X4S. Beide Kameras lassen sich, wie bei den alten Modellen um jeweils 330 Grad nach rechts und links drehen.

X5S

Wie man am Namen schon erraten kann ist gehört die X5S zur X5-Familie und hat einen Micro-Four-Third-Sensor. Der hat nun nicht mehr 16 Megapixel, sondern 20,8 Megapixel (5280 × 3956 Pixel). Der maximale Dynamikumfang beträgt 12,8 Blendenstufen. Die bekannten Olympus-Objektive können weiterhin genutzt werden:
Olympus M Zuiko 12mm f2.0
Olympus M Zuiko 17mm f1.8
Olympus M Zuiko 25mm f1.8
Olympus M Zuiko 45mm f1.8
Olympus 14-42mm f3.5-5.6
Zusätzlich kann nun auch das
Olympus M Zuiko 9-18mm f4.0-5.6
verwendet werden. Außerdem natürlich das Original 15mm f1.7 von DJI oder Panasonic

Die Steigerung auf 20,8 MP allein wäre aber noch kein großer Schritt. Den gibt es bei Videoaufnahmen: Die X5S nimmt in 4k 4096 x 2160 mit maximal 60fps auf. Und das nicht mit 60 Mbit/s sondern in CinemaDNG mit 4,0 Gbit/s. Alternativ mit 30fps und 2,4 Gbit/s ins CinemaDNG oder 100 Mbit/s in H.264 oder H.265. In der Auflösung 3840 x 2160 kann zusätzlich noch in Apple ProRes 422 HQ oder 444 XQ aufgenommen werden. Hier die komplette Übersicht aller Aufnahmeformate:

CinemaDNG
5.2K (5280 × 2970): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 12-bit, up to 4.2 Gbit/s
5.2K (5280 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 12-bit
4K (4096 × 2160 und 3840 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97 / 47.95p, 12-bit, up to 3.6 Gbit/s
4K (4096 × 2160 und 3840 × 2160): 50 / 59.94p, 10-bit
 
ProRes
5.2K (5280 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 10-bit, 422HQ mit 1.8 Gbit/s
4K (3840 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 10-bit, 422HQ mit 1.3 Gbit/s
4K (3840 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 10-bit, 444HQ mit 2.1 Gbit/s
 
H.264
C4K (4096 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97 / 47.95 / 50 / 59.94p, 100 Mbit/s
4K (3840 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97 / 47.95 / 50 / 59.94p, 100 Mbit/s
2.7K (2720 × 1530): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 80 Mbit/s und 47.95 / 50 / 59.94p,  100 Mbit/s
FHD (1920 × 1080): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 60 Mbit/s und 47.95 / 50 / 59.94p, 80 Mbit/s und 119.88p, 100 Mbit/s
 
H.265
C4K (4096 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 100 Mbit/s
4K (3840 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 100 Mbit/s
2.7K (2720 × 1530): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 65 Mbit/s und  47.95 / 50 / 59.94p, 80 Mbit/s
FHD (1920 × 1080): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 50 Mbit/s und  47.95 / 50 / 59.94p, 65 Mbit/s  und 119.88p, 100 Mbit/s
 
Wichtig: Um die beiden Formate CinemaDNG und ProRes nutzen zu können, müssen die entsprechenden Lizensen gekauft werden.
 
Die Speicherung der Daten erfolgt bei CinemaDNG und ProRes auf einer SSD. Der Slot dafür befindet sich auf der Rückseite des Inspire 2 zwischen den Akkus. Zur Zeit stehen Kapazitäten von 120 oder 480 GigaByte zur Verfügung. Die SSDs der X5R können nicht verwendet werden.
 
Die ISO-Empfindlichkeit der Kamera reicht non von ISO 100 bis ISO 6400 für Videos und ISO 25600 für Fotos. 
 
X4S

Die X4S ist quasi der Nachfolger der X3 – allerdings mit vielen Neuerungen. Das fängt an mit dem Sensor: Statt des 1/2.8" Sensors der X3, zeichnet die X4S mit einem 1" Sensor auf. Der hat 20 Megapixel Auflösung und einem Dynamikumfang von 11,6 Blendenstufen. Zusätzlich neu: Die Kamera hat keine feste Blende mehr, sondern eine variable von f2.8 bis f11 bei einer Brennweite von 24mm, auf Kleinbildformat gerechnet. 

Die Datenraten der X4S liegen bei maximal 100 Mbit/s – die Aufnahmeformate CinemaDNG und ProRes stehen nicht zur Verfügung sondern H.264 und H.265. Hier die genauen Auflösungen und Datenraten:

H.264
C4K (4096 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97 / 47.95 / 50 / 59.94p, 100 Mbit/s
4K (3840 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97 / 47.95 / 50 / 59.94p, 100 Mbit/s
2.7K (2720 × 1530): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 80 Mbit/s und 47.95 / 50 / 59.94p, 100 Mbit/
FHD (1920 × 1080): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 60 Mbit/s und 47.95 / 50 / 59.94p, 80 Mbit/s
HD (1280 × 720): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 30 Mbit/s und 47.95 / 50 / 59.94p, 45 Mbit/s

H.265
C4K (4096 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97, 100 Mbit/s
4K (3840 × 2160): 23.976 / 24 / 25 / 29.97, 100 Mbit/s
2.7K (2720 × 1530): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 65 Mbit/s und 47.95 / 50 / 59.94p, 80 Mbit/s
FHD (1920 × 1080): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 50 Mbit/s und 47.95 / 50 / 59.94p, 65 Mbit/s
HD (1280 × 720): 23.976 / 24 / 25 / 29.97p, 25 Mbit/s und 47.95 / 50 / 59.94p, 35 Mbit/s
 

Die ISO Emfindlichkeit reicht von ISO 100 bis ISO 6400 für Videos und ISO 12800 für Fotos.

Zum Schluss die schlechte Nachricht: Die "alten" Kameras X3, Z3, X5, X5R und XT sind NICHT am Inspire 2 nutzbar, die beiden neuen Kameras X5S und X4S sind NUR am Inspire 2 nutzbar – die Anschlüsse am Gimbal sehen komplett anders aus. Einen Adapter für die alten Kameras wird nach derzeitigem Stand nicht geben. Dies liegt auch daran, dass die komplette Bildverarbeitung nicht mehr in der Kamera erfolgt, sondern im Copter.

FPV-Kamera

Neben den zur Zeit zwei angebotenen Kameras, hat die Inspire 2 eine weitere eingebaute Kamera. Bravo! Denn auch genau das war einer der Kritikpunkte: Der Pilot des Copters verliert schnell die Orientierung, wenn der Cam-Operator "wie wild" die Aufnahmekamera schwenkt. Die Problem ist nun mit der sogenannten FPV-Kamera (First-Person-View) gelöst. Die zeigt immer nach vorne in Flugrichtung, so dass der Pilot jederzeit die Orientierung behält. Das Bild der Kamera kann entweder bildschirmfüllend angezeigt werden oder als Bild-in-Bild. 

Fernsteuerung

Die Fernsteuerung des Inspire 2 sieht der der Inspire 1 ähnlich. Neu ist allerdings das Innenleben und die Übertragungsrechnik. Es können nun 2,4 GHz und 5.8 GHz genutzt werden, je nachdem auf welchen Kanälen weniger Stürungen vorhanden sind. Die Reichweite beträgt in Deutschland nach CE maximal 3,5 Kilometer auf 2,4 GHz. Bei den Anschlüssen hat sich nichts geändert: USB, HDMI und Zubehörport für den FOCUS. Eine wesentliche wichtige Neuerung. Der Abstand zwischen Master- und Slavefunke kann nun bis zu 100 Meter betragen, ohne dass es zu Bildabbrüchen kommt. Mein Test wird zeigen, ob das stimmt.

Flugmodi

Es gibt diverse neue Flugmodi. Der wohl wichtigste ist die Objektverfolgung bei der der Inspire 2 seitlich neben dem zu verfolgenden Objekt herfliegt. Generell soll die Objektverfolgung in allen Modi verbesert worden sein und noch präziser funktionieren. Mehr dazu in meinem ausfürhlichen Test des Inspire 2.

Fazit

Die DJI Inspire 2 ist kein Ersatz für Inspire 1, sondern eine Ergänzung. Sicher wird es Piloten geben, die von der Inspire 1 auf die 2 aufrüsten. Dies werden vor allem Videographen sein, die Wert auf höchste Qualität und schnelle Datenverarbeitung legen. Für Standardanwendungen ist und bleibt die Inspire 1 eine hervorragende Wahl. Ausgestattet mit der X5 oder gar der X5R liefert sie hervorragende Foto- und Videoqualität. Ob die Sensorik wichtig ist und von Profis als wichtig empfunden wird, muss jeder selbst beurteilen. In der Zusammenfassung nochmal die Verbeserungen gegenüber der Inspire 1:
– längere Flugzeit durch Doppelakku
– bessere Videoqualität durch CinemaDNG und ProRes
– neue X5S Kamera mit 20 Megapixel MFT-Sensot
– neue X4S Kamera mit 20 Megapixel-1"-sensor
– Sensorik nach vorne und oben
– neue Flugmodi
– FPV-Kamera
– bis zu 100 Meter Abstand zwischen Master- und Slavefunke


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